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Bericht Pragfahrt |
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Chorreise des
Diözesan-Cäcilien-Verbandes nach Prag
Vom 15.10. bis zum
20.10.2007 lud der Diözesan-Cäcilien-Verband Speyer zu einer Chorreise
in die „Goldene Stadt“ Prag unter der geistlichen Leitung des
Diözesanpräses Pfarrer Markus Magin und der musikalischen Leitung des
Diözesanmusikdirektors Dietmar Mettlach ein. Mehr als 160 Sängerinnen
und Sänger aus den verschiedensten Kirchenchören des Bistums nahmen
daran teil und genossen das unvergleichliche Gemeinschaftserlebnis, das
sich einstellt, wenn man sich als Chor auf eine Reise begibt und sich
eine fremde Stadt „ersingt“.
Die vier Busse, die
die Chorreisenden in den frühen Morgenstunden des 15.10. einsammelten,
trafen zunächst auf der Autobahnraststätte „Hohenlohe“ zusammen. Bei
einem kleinen Sektumtrunk mit Brezeln konnte man hier zum ersten Mal die
Gemeinschaft der großen Reisegruppe erleben, bevor es wieder in den
jeweiligen Bussen weiter in Richtung Tschechische Republik.
Das erste
Etappenziel der Reise war der westböhmische Karlsbad an der Tepl, an dem
die Reisegruppe am Nachmittag eintraf. Hier stießen auch erstmals die
vier tschechischen Reiseführerinnen zu ihren jeweiligen Bussen, die sie
bis zum Ende der Chorreise begleiteten. Schon an diesem ersten Tag wurde
deutlich, „dass eine Städtereise kein Erholungsurlaub ist“, so das Zitat
einer der Reiseführerinnen. Nach wenigen Minuten, die den Mitreisenden
zum Beziehen der Hotelzimmer blieben, machten sich die jeweiligen
Busgruppen auf zu einer Stadtführung im Schnelldurchlauf, der sich das
gemeinsame Abendessen und ein Abendgebet in der Kirche Maria Magdalena
nahtlos anschlossen.
Der Ort Karlsbad erlangte Berühmtheit
aufgrund seiner Thermalquellen, deren Heilwirkung schon im 14.
Jahrhundert bekannt war. Insgesamt besitzt Karlsbad 12 solcher Quellen.
Die berühmteste und stärkste befindet sich in den „Weißen Kolonnaden“
und wird Sprudel (Vřídlo) genannt. Sie ist 72°C heiß, schießt bis 17
Meter in die Höhe und besitzt eine Schüttung von 2000 Litern pro Minute.
Da für das Baden in den Heilquellen jedoch keine Zeit war, mussten sich
die Chorreisenden damit begnügen, das Wasser aus den Karlsbader
„Schnabeltassen“ zu trinken, die viele auch gleich als Reiseerinnerung
kauften. Mit dem Besuch des Kurortes reihten sich die Reisenden der
Chorgemeinschaft in die lange Liste berühmter Persönlichkeiten ein, die
schon zuvor das böhmische Städtchen aufsuchten. So z.B. Johann Sebastian
Bach, Johannes Brahms, Richard Wagner, Friedrich Schiller, aber auch
Madeleine Albright und Robert Redford.
Vor dem gemeinsamen Abendgebet fand eine erste gemeinsame kurze
Chorprobe unter der Leitung des Diözesanmusikdirektors Dietmar Mettlach
statt, bei der sich zum ersten Mal alle Stimmen der großen Reisegruppe
zum Lob Gottes erhoben. Pfarrer Markus Magin betonte in seiner Predigt
während des Abendgebets die Gemeinschaft, die unsere Kirche ausmacht und
die besonders während einer solchen Reise spürbar wird.
Nach einem langen Reisetag kehrten die
Mitreisenden schließlich in ihr Hotel zurück, wo der ein oder andere den
Tag bei einem Gläschen Becherovka ausklingen ließ.
Am Morgen des zweiten Reisetages
(16.10.) brach die Chorgemeinschaft zum Kloster Tepla auf. An eine
weitere Chorprobe in der Abteikirche Mariä Verkündigung schloss sich ein
Gottesdienst an, den der Rheinzaberner Pfarrer Jörg Rubeck leitete und
von der großen Chorgemeinschaft unter der Leitung von Dietmar Mettlach,
sowie von Dekanatskantor Heinrich Grimm an der Orgel und Bernhard Sommer
an der Trompete musikalisch gestaltet wurde. Zunächst galt es jedoch,
ein musikalisches Problem zu lösen: Da dem Organist auf der Empore die
Sicht zum Dirigenten, der vom Altar aus den Chor leitete, verwehrt
blieb, musste eine Sub-Dirigentin engesetzt werden, die dem Schlag des
„Chefs“ folgend, der Orgel den Takt schlug. Dem Gottesdienst folgte eine
Führung durch das Stift, das 1193 vom Grafen Hroznata gegründet wurde
und im 17. und 18. Jahrhundert prunkvoll barockisiert wurde. Hierbei
konnte auch ein Teil der Stiftsbibliothek bewundert werden, die durch
ihren großen Bücherbestand von etwa hunderttausend Bänden die
zweitgrößte im Lande ist. Sie beherbergt wertvolle Handschriften und
Inkunabeln sowie Bücher in allen europäischen Sprachen. Aus dem 14.
Jahrhundert stammt die berühmteste Tepler Handschrift, der sogenannte
„Codex Teplensis“. Es handelt sich um die älteste vollständige
Übersetzung des Neuen Testamentes ins Mittelhochdeutsche, also eine
deutsche Bibelübersetzung vor Martin Luther.
Nach der Stiftsführung ging es weiter
zur Familienbrauerei Kuttenplan (Chodové Plané), wo bei einem guten Glas
Chodovar-Bier das Mittagessen eingenommen wurde. Am Abend erreichte die
Reisegruppe schließlich ihr Hauptreiseziel Prag. Da es jedoch schon spät
war, begnügte sich der Großteil der Chorgemeinschaft damit, sich nach
dem Abendessen zurückzuziehen. Eine kleine Gruppe ließ es sich
allerdings nicht nehmen, zusammen mit einer der Reiseführerinnen noch
einen kurzen Ausflug in die romantisch beleuchtete Altstadt zu
unternehmen.
Am dritten Reisetag (17.10.) zeigte
sich das „Rom des Nordens“, wie Prag wegen seiner vielen Kirchen und
Kapellen genannt wird, von seiner schönsten Seite. Nach einer kurzen
Chorprobe mit anschließender Morgenandacht im Kloster Strahov, das in
unmittelbarer Nähe zur Prager Burg (Hradschin) liegt, bot sich den
Chorreisenden ein atemberaubender Blick über die tschechische Hauptstadt
mit ihren unzähligen Türmen und wunderschönen Gebäuden bei strahlendem
Sonnenschein.
Von hier aus übernahmen die Reiseführerinnen wieder das Kommando und
führten ihre Gruppen vorbei am Loretoheiligtum, den Palais Schwarzenberg
und Sternberg sowie dem Bischöflichen Palais zur Prager Burg. Ein Muss
für die Chorreisenden war hier natürlich ein Rundgang durch die
Veits-Kathedrale, die Krönungskirche und Grablege der böhmischen Könige.
Im Gegensatz zu den Königen durften die Reisenden aus der Diözese Speyer
jedoch nicht durch die Goldene Pforte in den Dom einziehen und mussten
sich so an der langen Besucherschlange anstellen. Sehr beeindruckend war
der silberne Reliquienaltar, in dem die Gebeine des heiligen Johannes
Nepomuk ruhen, und die Wenzelskapelle, in der der edelsteinverzierte
Reliquienschrein des böhmischen Nationalheiligen St. Wenzel aufbewahrt
wird. Karl IV. ließ 1358 – 67 die Kapelle seines Vorfahren errichten und
„so kostbar, wie es sich auf der ganzen Welt nicht findet“ ausstatten.
Dem Rundgang durch die Veits-Kathedrale schloss sich die Besichtigung
des Wladislaw-Saals an, einem stützenlosen Raum mit majestätischen
Ausmaßen. Heute findet hier die Wahl des tschechischen Staatspräsidenten
statt. Im angrenzenden Statthalter-Saal warf man 1618 aus dem östlichen
(linken) Fenster die kaiserlichen Räte und einen Geheimschreiber. Das „Aus-dem-Fenster-Werfen“
war ein „alttschechischer Brauch“, nach dem man Landesverräter
bestrafte. Dieser „Zweite Prager Fenstersturz“ löste schließlich den
Dreißigjährigen Krieg aus.
Ebenfalls im Rundgang durch die Prager Burg mit inbegriffen, war das
Schlendern durch das „Goldene Gässchen“ und der Besuch der
Georgsbasilika, die heute allerdings nicht mehr als Kirche, sondern als
Konzertraum genutzt wird. Die Erprobung der Akustik durch vierstimmigen
geistlichen Gesang der Reisegruppe rief neben erfreuten Zuhörern jedoch
auch den Wachmann auf den Plan, der den Gesang in der Basilika strikt
verbat. Dabei muss man anmerken, dass laut redende Touristen den
Ordnungshüter dagegen nicht störten.
Ein Gang über die berühmte Karlsbrücke, den Altstädter Ring mit der
Astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert und den Wenzelsplatz rundeten
die fast siebenstündige Stadtführung ab und hinterließ bei den zwar
erschöpften, aber dennoch gut gelaunten Chorreisenden einen
unvergesslichen und imposanten Eindruck von der Moldau-Metropole.
Doch damit nicht genug: Der Tag wurde
gekrönt durch eine abendliche Schiffsfahrt auf der Moldau, bei der man
sich nicht nur am kalt-warmen Buffet und der original böhmischen
Live-Musik, sondern auch am Blick auf das wundervoll beleuchtete Prag
erfreuen konnte.
Der vierte Tag der Chorreise (18.10.)
wurde in der Kleinseite begonnen, dem Stadtviertel am Fuße der Prager
Burg. Die Kleinseite ist ein Idyll von unvergleichlichem Zauber, in dem
enge, verwinkelte Gassen und verträumte Plätze und Gärten mit pompösen
Adelspalästen und stolzen Bürgerhäusern wechseln. Einer dieser Paläste
ist das Palais Waldstein, das sich noch bis 1945 im Besitz der
Nachkommen des berühmten kaiserlichen Generals Albrecht von Waldstein
bzw. Wallenstein befand. In seinem Garten, in dem Pfaue zwischen
unzähligen Brunnen und Figuren wandeln, ließen einige der Chorreisenden
unter der Leitung von Heinrich Grimm in einem Konzertpavillon ihre
Stimme erschallen und erfreuten damit die anderen Gartenbesucher.
An die Besichtigung des Waldsteinschen Gartens schloss sich eine
Chorprobe in der Kirche der Siegreichen Jungfrau Maria, der ältesten
Barockkirche der Stadt, an. Hier steht auch das in kostbare Kleider
gehüllte „Prager Jesulein“ in einer silberverzierten Rokokovitrine am
rechten Seitenaltar. Über all die Jahrhunderte wurde es reich beschenkt,
mit Goldkronen, Edelsteinen, Hermelin-Mäntelchen und goldbestickten
Samtkleidern, darunter einer eigenhändigen Arbeit der Kaiserin Maria
Theresia.
Nach der Chorprobe, deren Gesang wie immer viele Kirchenbesucher und
auch den Priester der Kirche die Kraft der Musica Sacra spüren ließen,
ging es weiter zum Museum der Musik. Hier konnte man zahlreiche
Instrumente aus den vergangenen Jahrhundert nicht nur äußerlich
bewundern, sondern ihrem Klang auch per Kopfhörer lauschen.
Nach dieser weiteren Führung durch die
tschechische Hauptstadt war nun auch Zeit, um die „Goldene Stadt“ auf
eigene Faust zu erkunden. Die Chorreisenden nutzten diesen Freiraum auf
verschiedenste Weise. Sei es, um gemütlich in einem Prager Café zu
sitzen, die unzähligen Geschäfte zu erkunden, die Altstadt nochmals auf
sich wirken zu lassen oder auch noch unbekannte Stadtteile, wie z.B. das
Jüdische Viertel, zu erkunden.
Der Tag wurde mit einem feierlichen
Abendessen im Pilsner Restaurant des Repräsentationshauses der Stadt
Prag beschlossen. In dem großen Saal, dessen Ambiente an die bayrischen
Bierkeller erinnert, stellte der Schifferstadter Stefan Jessl unter
Beweis, zu welchen besonderen Leistungen der Kehlkopf eines
Kirchenchorsängers fähig ist und riss mit einer Jodel-Einlage seine
Mitreisenden und die unzähligen weiteren Gäste zu lang anhaltendem
Applaus hin.
Am fünften Tag (19.10.) brach die
Chorgemeinschaft nach Melnik auf, das am Zusammenfluss von Elbe und
Moldau liegt. Die Altstadt liegt auf einem Berghügel, der seit 874 mit
Wein bebaut wird. So begaben sich die Chorreisenden zu einer Weinprobe
in die Kellergewölbe des Barockschlosses der Fürsten von Lobkowitz.
Unter dem Gesang des ein oder anderen Weinliedes, konnten sich die
Sängerinnen und Sänger mit dem böhmischen Wein vertraut machen und
diesen gedanklich mit dem Pfälzer Wein vergleichen.
Anschließend erhielten die einzelnen Busgruppen eine Führung durch das
Schloss, dessen Schlossherren zu den ältesten böhmischen
Adelsgeschlechtern gehören und nach ihrem Exil erst seit 1989 wieder auf
ihrem Familienschloss wohnen.
Dem Ausflug nach Melnik schloss sich eine Fahrt nach Nelahozeves, zu
Deutsch Mühlhausen, an. Hier steht das Geburtshaus des tschechischen
Komponisten Antonin Dvorak, das zusammen mit der gegenüberliegenden
Taufkirche des Komponisten von der Reisegruppe besucht und besichtigt
wurde.
Nach der Rückkehr in das Prager Hotel Tristar Olympik blieb den
Chorreisenden kurz Zeit, um sich für den Abschlussgottesdienst fertig zu
machen, der in der Kirche Christi Geburt im Loreto-Heiligtum gefeiert
wurde. Nach einer kurzen Chorprobe gestaltete der große Chor der
Reisegemeinschaft unter der Leitung von Dietmar Mettlach zusammen mit
Heinrich Grimm (Orgel) und Bernhard Sommer (Trompete) den Gottesdienst
musikalisch, der von Pfarrer Markus Magin geleitet wurde. Der Zelebrant
stellte in seiner Predigt hearus, dass es die Aufgabe der Kirche das
Apostolat sei, also der Welt etwas von der Liebe Christi erfahrbar zu
machen. Er betonte, dass der Kirchenmusik hierbei eine besondere Rolle
zufalle, da sie in den vielfältigsten Sprachen alle Menschen erreicht
und somit diese Hauptaufgabe der Kirche auf das Stärkste unterstützt.
Am Morgen des sechsten Tages (20.10.)
brachen die vier Busse der Chorreisegruppe nach dem Frühstück wieder auf
in Richtung Heimat. Eine für alle Teilnehmer unvergessliche Chorreise
ging damit zu Ende. Viele waren sich einig, dass gerade eine Chorreise
ein unvergleichliches Erlebnis darstellt, während dessen man das Erleben
der Gemeinschaft durch das gemeinsame Singen zum Lob Gottes am besten
erfahren kann. Zudem präsentierten sich bei einem fast durchweg
hervorragenden Wetter die einzelnen Punkte des bestens ausgewählten
Programms von ihrer schönsten Seite und brachten so manchen der
Chorreisenden in Erstaunen. So wird diese Pragreise der Kirchenchöre der
Diözese Speyer den Mitreisenden auf sehr lange Zeit im Gedächtnis
bleiben.
Bernhard Sommer
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