„Treffpunkt Kirchenmusik“ –
bistumsweit Interesse
Zum 6ten Mal seit der Gründung des
Diözesancäcilienverbandes im Bistum Speyer (DCV) fand am Samstag, dem 6.
März 2010 der diesjährige „Treffpunkt Kirchenmusik“ im Herz-Jesu-Kloster
in Neustadt statt.
Der Einladung des Amtes für Kirchenmusik waren rund 150 Chorleiter und
Kirchenchorsänger gefolgt. Aus Gründen der Kapazität des Hauses hatte
man sogar 30 weitere Anmeldungen nicht annehmen können.
Trotz Wintereinbruch und widriger Straßenverhältnisse trafen die
Tagungsteilnehmer frühzeitig ein. So bildeten sich schon vor dem
eigentlichen Beginn der Tagung kleine Gruppen zu ersten Gesprächen.
Begrüßung durch Diözesanpräses
Markus Magin
Regens Markus Magin begrüßte in seiner Eigenschaft als Diözesanpräses
des DCV die Anwesenden und gab einen Überblick über den geplanten
Verlauf des Tages. Sein besonderer Gruß galt dem Referenten des Tages:
Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter des Seelsorgeamtes im
Bischöflichen Ordinariat.
Singen zum Einstimmen
Diözesanmusikdirektor Dietmar Mettlach probte sodann mit dem stattlichen
Chor
aus allen Teilnehmern die Gesänge, die am Nachmittag im Gottesdienst
gesungen werden sollten. Alles klappte auf Anhieb und der Dirigent lobte
zu Recht.
Domkapitular Franz Vogelgesang
referiert
Zentrales Thema der Tagung war der Strukturplan „Gemeindepastoral 2015“,
welches insbesondere aus der Sicht der Kirchenmusik erörtert wurde „Wo
bleiben wir?“ – so lautete recht plakativ die Frage an den Referenten.
Domkapitular Vogelgesang als einer der maßgeblichen Organisatoren des
Konzepts „Gemeindepastoral 2015“ und selbst Absolvent des Bischöflichen
Kirchenmusikalischen Instituts konnte in mehrfacher Hinsicht der
Erwartungshaltung der Tagungsteilnehmer gerecht werden. Nicht zuletzt
als Priester und Seelsorger wusste Domkapitular Vogelgesang Antworten
auf die mehrfach zitierte Frage „wo bleiben wir?“ Zunächst schien
es notwendig, einige Grundinformationen über „Gemeindepastoral 2015“ zu
geben. Allzu uneinheitlich war wohl der allgemeine Informationsstand.
Weiterhin galt es, gewisse „Urängste“– wurden diese ausgesprochen oder
blieben sie unausgesprochen - zu besänftigen. Alle Gemeinden und ihre
Einrichtungen – so auch Kirchenchöre – verlieren eben nicht ihre
Daseinsberechtigung und sollen ihre Identität weiter wahren. Dies gilt
gerade für die überwiegende Zahl von Gemeinden, welche nicht Sitz der
künftigen „Großpfarrei“ sein werden. Dass sich jedoch - wie bisher und
in naher Zukunft - Probleme mit dem Fortbestand des (herkömmlichen)
Chorwesens stellen, kann nicht als Folge kirchlicher Strukturreformen
gewertet werden.
Das Referat – im Detail
Trotz der deutlichen Vorgabe von 60 neuen Verwaltungseinheiten
(„Großpfarrei“) – so der Referent - sei „Gemeindepastoral 2015“ noch
kein vollständiges Konzept, sondern vielmehr eine Vision. Diese
orientiere sich an der Urvision von Kirche und ihrer eigentlichen
Botschaft. Aus dem „Schlaf der Sicherheit“ solle „tote Christenheit“
geweckt werden – so das Zitat eines Liedes aus unserem Gesangbuch. Ein
fertiges Konzept seitens der Bistumsleitung hätte keinen Raum für
Entwicklung vor Ort und Meinungsvielfalt im Bistum gelassen. Erst recht
ein spezieller Themenkomplex wie Kirchenmusik, Chöre, Chorleiter und
Organisten musste in den Strukturplänen bisher noch unerwähnt bleiben.
Im weiteren Verlauf erläuterte der Referent Voraussetzungen und
Grundprinzipien des Konzepts „Gemeindepastoral 2015“.
Bestandsaufnahme
Es wurden anschauliche Zahlen genannt, welche teilweise bereits bekannt
waren oder auch erneut aufschrecken ließen. In der Zeitspanne von 1980
bis 2009 ist der Gottesdienstbesuch im Bistum von durchschnittlich 25%
auf 12% zurückgegangen, die Zahl der Priester im aktiven Dienst von 357
auf 179 gesunken. Kirchenaustritte und Taufen halten sich fast die
Waage. In solchen Angaben ist Zahlenentwicklung im Kirchenchorwesen in
etwa proportional erfasst.
Die vier Prinzipien
Eine vom Glauben getragene Lebensweise, Spiritualität oder Frömmigkeit
genannt – dieses erste Prinzip zeigt sich durchaus bereits in der
Mitgliedschaft in einem Kirchenchor oder dem Dienst als Chorleiter oder
Organist. Die Idee der Evangelisierung – das zweite Prinzip – zeigt sich
auch in der Auswahl der zum jeweiligen Gottesdienst wirklich passenden,
das heißt Grundstimmung und theologische Aussage der Lesungen
aufnehmende und letztlich vertiefende Gesänge.Das dritte Prinzip der
„Anwaltschaft“ steht in der Nähe zu dem Grundelement „Caritas“.
Möglichkeiten der praktischen Umsetzung bieten sich – bezogen auf
Kirchenmusik – etwa in Form von Benefizkonzerten oder bereits im
fürsorglichen Umgehen der Chorsänger miteinander. Schließlich – viertes
Prinzip – eine Vision von „Weltkirche“ kann sich einerseits bereits in
Ökumene vor Ort verwirklichen, andererseits in den von Gemeinden
gepflegten Kontakten zu Missionsstationen in anderen Erdteilen.
Neue Strukturen
Im Wesentlichen wurden nun die durch Presse und Internet bekannten
Fakten erläutert. Die neuen Verwaltungseinheiten werden „Pfarrei“
genannt werden und aus bis zu 10.000 Katholiken (im Einzelfall auch
mehr) bestehen. Vielleicht kann eine zahlenmäßig vergrößerte und
ideell gestärkte Großpfarrei ihre Position im säkularisierten Umfeld
besonders wirksam behaupten? Ungeklärt ist die künftige Zusammensetzung
der Gremien Verwaltungsrat und Pfarrgemeinderat. Nicht vorgesehen ist
eine wesentlich reduzierte Anzahl an Gottesdiensten.
Standards und Leitlinien
Mit dem Begriff Standard verbindet sich zu Recht die Vorstellung einer
Qualitätssicherung in den wichtigen Bereichen kirchlichen Lebens. DK
Vogelgesang nannte für den Bereich Liturgie und Kirchenmusik einige
Beispiele. Grundsätzlich sollen „leibhaftige Musiker“ ihren Dienst
versehen, ohne dass es zur Verwendung von Tonträgern („Konserven“)
kommt. Wünschenswert ist weiterhin die Gestaltung des Antwortpsalms und
des Rufes vor dem Evangelium.
Gute Ratschläge
Möglichen Misserfolgen bisher zum Trotz sollten Kirchenchöre das Bemühen
um neue aktive Mitglieder nicht einstellen sondern intensivieren. Das
Repertoire der klassischen Chöre sollte sich öffnen für den Bereich des
so genannten „Neuen Geistlichen Liedes“ (NGL). Im Umkehrschluss dürfen
NGL-Ensembles und Singkreise sich gerne offen zeigen für klassische
Chorliteratur. Sollte bedauerlicherweise bei dem einen oder anderen
Kirchenchor die Singfähigkeit auf Grund geringer Sängerzahl in Frage
stehen, sollte der Zusammenschluss mehrer Chöre ernsthaft in Erwägung
gezogen werden. Jeder einzelne – Chorsänger, Chorleiter und Organist
sollte für sich, mit sich „neue Fundamente legen“, was seine
grundsätzliche Einstellung zu Glauben und Fähigkeit zur
Glaubensweitergabe angeht. Ein anschauliches Zitat vertiefte diese
Aufforderung: „Mut zur Aussaat“.
Konkrete Fragen – Antworten
Nach einer Diskussionsrunde in kleinen „Murmelgruppen“ und kurzer Pause
antwortete Domkapitular Vogelgesang auf konkrete Fragen und Anmerkungen
einzelner Teilnehmer. Eine wichtige Aussage zu dem Konzept „Pastoral
2015“ traf der Referent auf eine entsprechende Anfrage: die Diözese
Speyer soll durch das Konzept auch über 2015 hinaus zukunftsfähig
gestaltet werden. Zur Sprache kam weiterhin zur Thematik
„Priestermangel“ die Tätigkeit der Laien sowie Förderung der
Ehrenamtlichkeit. Vornehmlich im Bereich von Verwaltungsaufgaben sollten
Priester vermehrt entlastet werden. In Dienststellen des Bischöflichen
Ordinariates wurden folgerichtig in letzter Zeit mehrere Priester von
Verwaltungsaufgaben entbunden und mit Pfarreien betraut. Auf die Frage
nach der kirchenmusikalischen Kompetenz von Priestern und pastoralen
Mitarbeitern verwiesen Domkapitular Vogelgesang und Regens Magin auf den
Lehrplan des Speyerer Priesterseminars. Immerhin unterrichten 3 Dozenten
die Fächer Gesang/Stimmbildung, Liturgiegesang, Kirchenmusikgeschichte,
u.a. Anregungen und Anmerkungen aus dem Kreis der
Tagungsteilnehmer.
Der Anmerkung, dass die Höhe der Honorierung nebenamtlicher
Kirchenmusiker – besonders im Bistum Speyer – dem Charakter von
Ehrenamtlichkeit Freiraum lässt, wurde nicht widersprochen. Auf der
Ebene der künftigen Groß-Pfarrei solle die Verwaltung zentralisiert und
professionalisiert werden, das Berufsbild des Managers oder Rendanten
sei gefragt – so lautete sinngemäß eine Meinungsäußerung. Trotz
Zentralisierung müsse in allen Gemeinden auch weiterhin ein
Ansprechpartner nach Art des bisherigen Pfarrsekretariats bestehen
bleiben, lautete der spontane Einwand. Herr Mettlach plädierte
angesichts der sich in Richtung „Ganztagsschule“ entwickelnden
Bildungspolitik für verstärkte Kooperation von Schule und
Kinder/Jugend-Chorarbeit.
Neues aus Bistum und DCV
Nach der Mittagspause gab Diözesanpräses Magin wichtige Informationen
aus Bistum und Cäcilienverband:
- Das „Chorheft zum Beiheft“ ist ab sofort zu Preis von 0,50 € beim Amt
für Kirchenmusik erhältlich.
- die Bildungsreise der Kirchenchöre wird im 3-Jahre-Rhythmus
organisiert, in 2010 geht es vom 11. bis 15. Oktober nach Leipzig.
- Diözesanmusikdirektor Dietmar wird am 20. Juni in den Ruhestand
verabschiedet. Aus diesem Anlass wird in Maria Rosenberg um 11:00 Uhr
ein Festhochamt und 15:30 Uhr eine Vesper stattfinden.
- Die Neubesetzung der Direktorenstelle wird nur noch mit 50% erfolgen,
da die Kombination mit weiteren 50% für die Aufgaben des Domorganisten
vorgesehen ist. Die Ausschreibung ist bereits erfolgt.
- Eine Neuregelung der Organistenvergütung muss in diesem Jahr
vorgenommen werden. In Anbetracht der Gesetzeslage werden sowohl
einheitliche Eingruppierung sowie pauschalierte Bezahlung notwendig.
Nicht betroffen sind Chorleiter und Organisten in Personalunion, deren
Chorleitertätigkeit gegenüber der Organistentätigkeit zeitlich
überwiegt. Voraussichtlich werden rechtzeitig Mitarbeiter des
Ordinariates bei eigens anberaumten Pfarrverbandsbesuchen in die neue
Regelung einweisen.
- Das neue Gesangbuch wird nach realistischer Einschätzung etwa Ende
2014 erscheinen.
- „Einheit durch Vielfalt“ lautet der Titel einer bundesweiten
Aktion(Oktober 2010) des Deutschen Musikrates. Alle in der Kirchenmusik
Tätigen sind zur Teilnahme aufgerufen - nähere Informationen:
www.einheitdurchvielfalt.de.
- Wichtige Bestimmungen zum Urheberrecht sind in einer Broschüre
erfasst, diese wurde vor einigen Monaten an die Pfarrämter verschickt.
Chorleiter und Organisten sind um Kenntnisnahme und Beachtung gebeten.
- Die Datei des Amtes für Kirchenmusik besteht notwendigerweise aus
Namen und Adressen aller Chorleiter und Vorsitzenden der Kirchenchöre.
Sich ergebende Änderungen sollten bitte umgehend und vollständig
mitgeteilt werden. Ohnehin steht das Amt für Kirchenmusik immer als
Ansprechpartner zu Fragen der Kirchenmusik zu Verfügung.
- Neuzugänge am Bischöflichen Kirchenmusikalischen Institut (BKI) sind
immer möglich und erwünscht. Eine rege „Mund zu Mund-Werbung“ sollte die
üblichen Werbeaktionen in den Medien ergänzen.
- Die Internetseite des Bistums wird zur täglichen Lektüre empfohlen.
www.bistum-speyer.de.
Wortgottesdienst
Schließlich erhielt der Tag seinen würdigen Abschluss in der Feier eines
Stundengebets.
„Suchen und Fragen“ – so lautete nicht nur der Titel des
Eröffnungsgesangs, sondern auch der „rote Faden“ der Impulse durch den
Zelebranten, Regens Markus Magin.
Alle Tagungsteilnehmer sangen gemeinsam unter Leitung von DKMD Dietmar
Mettlach, die Orgel spielte Siegmar Junker.
Manfred Degen